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| KOMMENTAR |
| Baugeld: Chance auf Schnäppchen Die Beschreibung ist originell und zutreffend: Chinas Regierung scheint sich vom „Notfall-Modus“ zu verabschieden, analysierte jüngst Lu Ting, Volkswirt bei der Bank of America Merrill Lynch. Schon einige Tage vor Bekanntgabe des gegenüber dem Vorjahreszeitraum überraschend hohen Wirtschaftswachstums von 10,7 Prozent im vierten Quartal hatte Premierminister Wen Jiabao erstmals seit Monaten auf die Begrifflichkeit „prozyklische Fiskalpolitik“ verzichtet. Im Klartext: Die Weltkonjunkturlokomotive der vergangenen Jahre steht wieder unter Dampf und sieht sich als erstes Land von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise erholt. Die Regierung wird ihre staatlichen Konjunkturhilfen zurückfahren und will aus Sorge vor neuen Blasen am Aktien- und Immobilienmarkt das Kreditwachstum einschränken. Bauherren profitieren vom Schock Doch was sich nach weltweitem Aufschwung anfühlt, erschütterte die Märkte in Europa. Wird in China die Zinswende eingeleitet und billiges Geld knapp, könnte das zu Lasten der deutschen Exportwirtschaft gehen. Der ohnehin wackelige Aufschwung hierzulande geriete ins Stocken. Fluchtartig haben deshalb die Investoren Aktien verkauft und einen Teil des Geldes in sichere Staatsanleihen umgeschichtet. Für Immobilienbesitzer ist diese Entwicklung erfreulich. Wenn die Verunsicherung über den weiteren Konjunkturverlauf wieder steigt, sinken tendenziell die Zinsen. Baukredite könnten in den kommenden Wochen wieder so günstig werden wie zuletzt kurz vor Weihnachten. Dahinter verbirgt sich ein einfacher Mechanismus: Eine wachsende Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen lässt deren Kurse steigen. Im Gegenzug sinken automatisch die Renditen, an denen sich auch die Zinsen von Hypothekendarlehen orientieren. Außerdem bremst eine pessimistischere Konjunktureinschätzung die Inflationserwartung. Auch das wirkt sich aus Sicht von Kreditkunden positiv auf das Zinsniveau aus. Keine Wette auf Zinsrutsch Durchschnittlich kostet ein Hypothekendarlehen mit zehn Jahren fester Sollzinsbindung derzeit nur 4,05 Prozent Sollzinssatz. Hält die aktuelle Verunsicherung an, könnten die Zinsen im Marktdurchschnitt noch einmal um rund 0,1 Prozentpunkte sinken. Allerdings sollte niemand auf fallende Zinsen wetten. Das aktuelle Niveau gehört zum niedrigsten der vergangenen 50 Jahre. Wer eine passende Baufinanzierung gefunden hat, sollte nicht auf die letzte Stelle hinter dem Komma spekulieren. Mittelfristig aber dürfte die weiterhin hohe Liquidität und ein moderates Wirtschaftswachstum in Deutschland und Europa zu steigenden Aktienkursen führen und tendenziell Anleihen unter Druck setzen. Die gewaltige Emissionswelle von Staatspapieren, die zur Refinanzierung der milliardenschweren Konjunkturprogramme auf die Märkte zurollt, wird zusätzlich die Kurse belasten und die Renditen mittelfristig wieder nach oben treiben. Deshalb sollten sich Immobilienbesitzer frühzeitig Gedanken über ihre zweite Finanzierungsrunde machen. Bankberater sollten Kunden, deren Anschlussfinanzierung in einem oder zwei Jahren ansteht, ein Forwarddarlehen vorschlagen. Mit dem Vorratsdarlehen können sich Eigenheimer schon heute die günstigen Konditionen für später benötigte Kredite sicher. Manche Anbieter verlangen dafür nicht einmal einen Zinsaufschlag Zinstrend kurzfristig: leicht sinkend mittelfristig: steigend langfristig: steigend (Von Dr. Bernd Klosterkemper) |
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